Fasanengarten und Fasanenschlösschen

Richard-Willstätter-Allee 2
76131 Karlsruhe

Tipp

Auch Sehenswert: Die Großherzogliche Grabkapelle im Park.

"Die hübscheste Sache der Welt" nannte ein Touristen-Führer der Rokoko-Zeit den Fasanen­gar­ten. Der Garten und das Fasanengartenschlösschen bilden den östlichen Teil des Schlossgartens.

Der Fasanengarten

Das Gelände, vor dem Fasanengarten, war das Jagdrevier der Markgrafen von Baden-Durlach. Darin wurden noch vor der Stadtgründung 110 Hektar Wald umzäunt und nach französischem Vorbild in einen Fasanengarten und Wildpark umgestaltet. Auf der "Bocksblöße", einer Waldlichtung, entstand 1714 ein Jagdhaus und 1765 dann das Fasanenschlösschen mit den Feldhühnerhäuschen "à la chinoise". Hier lagen auch die Betriebsgebäude zur Versorgung der vielen Tiere. Die Aufsicht über die Fasanerie hatte der "Fasanenmeister", ein Beruf, der von Generation zu Generation vererbt wurde. Der hölzerne Zaun um den Wildpark wurde bald durch eine Mauer aus Sandstei­nen ersetzt, die heute noch teilweise erhalten ist.

Nach 1780 wurden nach englischem Vorbild ausländische Baum- und Straucharten gepflanzt; besonderer Wert wurde dabei auf Perspektiven, Farbspiel sowie Licht- und Schattenwechsel gelegt. Der Tiergarten im Norden wurde erweitert, so bezogen z. B. Biber ihr Quartier in der heute noch sichtba­ren Biberburg. Um 1850 erlebte die Fasanerie ihren Höhepunkt: mehrere Tausend Tiere bevölkerten den Fasanengarten; er brachte dem fürstlichen Hof weitreichendes Ansehen! 1866 wurde die Fasanerie aufgelöst, der Unterhalt wurde zu teuer! In den Fasanengarten kehrte Ruhe ein, er wurde zum Ort der Erholung für die großherzogliche Familie.

Noch heute sichtbares Zeichen der Verbundenheit mit dem Park ist die großherzogliche Grabkapelle, die 1896 vollendet wurde. Viele andere Bauaktivitäten verkleinerten schon früh von Süden her die Fläche; die größten Flächenverluste verursachten ab 1825 der Bau und die Entwicklung der Universität. Seit 1923 wird der Fasanengarten als Teil des Staatswaldes von der staatlichen Forstverwaltung betreut. 1967 war er als zentraler Bereich in die Bundesgartenschau einbezogen. Der stadtnahe und attraktive Parkwald ist äußerst beliebter und intensiv genutzter Erholungs- und Freizeitraum. Aber auch Ökologen freuen sich über Besonderheiten, wie z. B. die bis zu 300 Jahre alten Eichen. Diese bieten wertvollen Lebensraum für seltene Insekten wie den Eichen-Heldbock. Von den ursprünglich 110 Hektar sind noch 45 Hektar übrig geblieben.

An die Vergangenheit als Wildpark und Fasanerie erinnern nur noch die historischen Gebäude und die Namen von Wegen und Alleen. Es ist zu hoffen, dass dies noch lange so bleiben wird.

Das Fasanenschlösschen

Nordfassade des Fasanenschlösschens: Der rot gestrichene Gebäudekomplex des Fasanenschlösschens am nördlichen Rand des Universitätsgeländes lag ursprünglich idyllisch mitten im Fasanengarten. Um den Innenhof gruppieren sich das zweigeschossige Hauptgebäude und zwei einstöckige Seitengebäude. Das Schlösschen wurde 1765 am Rand der Waldlichtung "Bocksblöße" unter Markgraf Karl Friedrich anstelle eines einfachen 1711 gebauten hölzernen Jagdhauses errichtet. Architekt war der markgräfliche Kammerjunker und Baudirektor Friedrich von Keßlau, der auch das Karlsruher Residenzschloss erbaut hat.

Im Erdgeschoss des Schlösschens befanden sich zunächst die Fasanenstuben, im Obergeschoss die Wohnung des Fasanenmeisters. Schon bald wurden die Fasanen ausquartiert, und man baute das Erdgeschoss zu einem repräsentativen Saal aus, der sich heute mit den klassizistischen Elementen und der meergrünen Wandfarbe weitgehend in seiner ursprünglichen Ausstattung zeigt. An den Querwänden liegen zwei Kamine aus dunklem Marmor.

Wer sich von der Parkseite auf der Richard-Willstätter-Allee dem Schlösschen nähert, trifft auf eine repräsentative Fassade. Über der Mitteltür prangen in Gold die Insignien des Erbauers Markgraf Karl Friedrich. Gegenüber dem Haupt­ge­bäude schließen zwei Pavillons "à la chinoise" die Gesamtanlage ab. Der fremdländische Stil entsprach in der erwachen­den Romantik der Mode und galt als Zeichen des Luxus.

Das Mauerhäuschen musste 1953 dem Bau des Wildparkstadions weichen.

Nach der Auflösung der Fasanerie 1866 diente der Saal im Schlösschen in den Sommermonaten als Prinzenschule, im Krieg 1870/1871 wurde er als Offizierslazarett genutzt. Die chinesischen Pavillons waren kleine Teehäuschen und später Studierzimmer für die Kinder des Fürstenhofes. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Abdankung Großherzog Friedrich II. stellte man das Gebäude für kurze Zeit der Technischen Hochschule zur Verfügung. Von 1926 bis heute ist es Sitz der Staatlichen Forstschule Karlsruhe, seit 1990 Bildungszentrum der Landesforstverwaltung Baden-Württemberg. Zur Bundesgartenschau 1967 wurden die Außenfassaden originalgetreu wiederhergestellt. 1980 folgte eine grundlegende Innenrenovierung und in den beiden letzten Jahren wurden die Pavillons renoviert. Somit bildet die Anlage des Fasanenschlösschens ein bauliches Kleinod am Rande des Universitätscampus.

Text: Ulrich Kienzler, Forst­di­rek­tor VLW-Forst

Denkmal nach § 28 Übergangsregelung Denkmalschutzgesetz

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